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Bernhard Häussner
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Rando – „asoziales“ Fotonetzwerk

24.03.2014, 12:34

Das schwedische Studio ustwo ließ vor gut einem Jahr die kostenlose Photosharing-App Rando auf die Welt los. Seither wurden über 10 Millionen Fotos („Randos“) zugestellt, zu hochzeiten gar 27000 per Stunde. Inzwischen ist wurde die App gelöscht, es wird sich herausstellen, ob sie jemals wieder Aufleben wird. Das Alleinstellungsmerkmal dieser App zum Fototausch ist es, das keine Likes, Freunde, Kommentare oder ähnliches verteilt und gelesen werden. Für jedes Foto, das man sendet, bekommt man genau ein Foto zurück - von einem zufälligen Anonymen irgendwo. Allein, man erfährt den ungefähren Ort (Stadt, Land). Was macht also den Reiz dieser App aus?

Edit 2014-03-29: Da es ganz so aus sieht, als wäre die App für immer tot, habe ich hier meine ganzen gesendeten Randos eingestellt.

Rando ist minimalistisches Fotografieren

Zunächst einmal ist das minimalistische Design auffällig: In zwei Timelines für gesendete und empfangene Fotos reihen sich die runden Bildchen untereinander. Mit einem Klick auf das Foto erscheint eine Karte, von wo es gesendet wurde, bzw. bei eigenen Fotos, wohin es versendet wurde. Mit einem Doppelklick auf ein empfangenes Foto erreicht man die Funktionen zum Download, löschen und markieren („flag“). Es gibt eine Kamera-Funktion, mit der sich Fotos in dem charakteristischen runden Format aufnehmen und hochladen lassen. Leider ist der Fokus der Kamera manchmal etwas schlecht steuerbar. Aber das war es dann auch schon an Funktionalität.

Asozial? Introvertiert? Oder fair…?

Dadurch, dass es so wenige Interaktionsmöglichkeiten gibt, setzt sich die App ab von Instagram, Snapchat, Tumblr und ähnlichem. Die Fotografen sind vom Zwang befreit, immer mehr Likes, +1, Shares, Herzen order Sterne zu sammeln. Die Empfänger können sich nicht durch geistreiche Kommentare profilieren. Statt immer mit dem selben Kreis von Freunden oder Followern zu kommunizieren, stammen die Fotos von zufälligen Rando-Usern aus der ganzen Welt. Auch die eigenen Fotos werden an zufällige Personen verschickt. Es sind nicht alle jemals hochgeladenen Fotos erreichbar und mit Tags, Suchmaschinen und Explore-Seiten kategorisiert und erreichbar. Stattdessen bekommt man nur genau so viele Fotos zurück, wie man verschickt hat.

Nun habe ich viel Aufgezählt, das Rando nicht macht, nicht kann, nicht sein soll. Aber was sind die positiven Einflüsse?

Das machen die Nutzer daraus:

Jeder Rando-Nutzer erhält eine Sammlung einzigartiger Fotos. Jedes erhaltene Foto hat niemand sonst erhalten, und stellt einen Moment im Leben eines anderen Rando-Nutzers dar, gesehen wie durch einen Türspion. Ein Teil der erhaltenen Randos sind mehr oder weniger abstrakt, ästhetische Alltagssituationen oder schwer erkennbare Szenen. Diese sind manchmal erstaunlich belanglos, aber oft auch sehr schön und farbenfroh.

Weiterhin beliebt sind Motive von Alltagsgegenständen, die den Fotografen wohl irgenwie am Herzen liegen, ins Auge stechen oder sonstwie interessieren. Ich erhielt teilweise Fotos von sehr einzigartigen Gegenständen, Souvenirs, Waffen, Kleidungsstücke, uvm.

Daneben erhält man Fotos von schönen Innenräumen, Personen, Mahlzeiten, Zeichnungen, Texten und einiges mehr. Sehr oft erhält man auch Fotos von Füßen/Schuhen, den ich manchmal nicht so viel abgewinnen kann.

Anfangs hatte ich natürlich bedenken, dass das ganze schnell in Pornographie ausartet. Anders als bei Chatroulette, sieht man jedoch sehr selten Penisse. Das liegt vielleicht daran, dass die Report-Funktion für Fotos eine von 3 Funktionen ist, und damit sehr leicht erreichbar.

F.A.Q.

Warum erhalte ich keine Position zu den empfangenen Fotos?
Die Position erhälst Du nur, wenn Du Deinerseits Deine Position schickst. Da die Position nur ca. auf die Stadt genau ist, sollte dies kaum Bedenken wecken. Etwa 82% der Fotos werden mit Ortsangabe verschickt.

Warum dauert es etwas, bis meine Fotos in der Liste der gesendeten Fotos auftauchen?
Es dauert manchmal zwischen 10 Minuten und einigen Stunden, bis von Dir hochgeladenen Fotos in deiner Liste der gesendeten Fotos stehen. Zum einen stellt der Rando-Server die Fotos in einer Warteschlange, von wo aus sie nach und nach versendet werden. Zum anderen tauchen sie erst in der Auflistung auf, wenn sie von dem Empfänger gesehen wurden. Darum kann hier auch die Reihenfolge eine andere sein, als die Aufnahmereihenfolge. In der Zwischenzeit kannst Du die Fotos in der Galerie im Rando-Album finden (nur Android).

Aus welchen Ländern kommen die meisten Fotos?
Laut offizieller Statistik vom Juli: Südkorea 39%, USA 17%, Russland 10%. Ich erhalte aber oft auch Fotos aus diversen anderen Ländern.

Wie wahrscheinlich ist es, dass ich unangemessene Fotos erhalte?
Die Anzahl der als unangebracht markierten Randos liegt unter 1%. Selbst von diesen markierten sind nur wenige richtig anstößig. Es mussten nur rund tausend Benutzerkonten wegen regelmäßiger Verstöße gesperrt werden.

Wohin wird sich die App entwickeln? Welche neuen Features sind geplant?
Die Entwickler sind sehr darauf bedacht, keine sozialen Features einzubauen. Stattdessen wurde eine "Collections"-Funktion angekündigt, sodass man erhaltene Schnappschüsse sortieren und kategorisieren kann. Außerdem solle es eine globale Karte geben, auf der du alle Positionen deiner Randos sehen kannst.

Werden meine Fotos immer an die selbe Person geschickt? Erhalte ich die Fotos immer von der selben Person?
Nein. Die Fotos werden an zufällige verschiedene Personen gesendet. Es gibt keine Möglichkeit ein Foto zu beantworten.

Warum werden meine Fotos manchmal nicht richtig Scharf?
Der Fokus der eingebauten Kamera ist manchmal etwas schlecht. Es hilft oft, kurz das Bild zu berühren, dann wird der Fokus neu berechnet.

Was mich an Rando begeistert

Viele meiner Freunde (und „Freunde“) auf Facebook laden fast keine Fotos hoch, manchmal begründet mit „das interessiert ja doch niemanden“ oder „so toll ist das jetzt auch nicht“. Rando zwingt die Nutzer zu gleichen Teilen Produzenten wie Konsumenten zu sein.

Wenn man keine Kontrolle hat, wer die Fotos erhält, muss man beim Fotografieren keine Zielgruppe im Hinterkopf haben. Man kann sich auch keine Gedanken machen, für wen dieses Foto interessant sein könnte.

Da man nicht nur die tollsten und poliertesten Fotos erhält, setzt man auch für sich selbst die Latte etwas niedriger. Jeder Fotografiert mit der eingebauten Handykamera, keiner bringt eine DSLR oder Scheinwerfer mit. Der Fotograf in mir freut sich: Es wird nicht erwartet, dass ein interessantes Motiv gewählt wurde, es aus einer Aussagekräftigen Perspektive eingefangen wird, perfekt ausgeleuchtet wird und die schönsten Farben mittels Bildbearbeitung herausgesucht wurden. Es genügen auch mal 50%, auch semi-interessante Motive sind mal ein Foto wert, und Bearbeitung der Fotos ist nicht möglich. Das ist stressfreies Fotografieren, verbunden mit der Herausforderung, in einem kreisrunden Format zu fotografieren.

Als Lohn erhält man Fotos von Füßen.

Kommentare: keine

A Beggar's Calder

25.04.2010, 19:40

Kinetic sculpture, 5 photographies

Series 2

Can't afford colors.

Series 1

Can't afford movement.

Kommentare: keine
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