Bernhard Häussner

Kate - mein geliebter Editor

27.10.2008, 22:54

Man hat als (Web-)Developer ja immer ein bisschen das Problem sich eine geeignete Arbeitsumgebung zu schaffen, weil es einfach nicht „die“ IDE gibt. Als Ruby on Rails Benutzer hat man die Wahl zwar sehr leicht, wenn man sehr ausgefallen ist und Java verwendet, führt fast nichts an Eclipse vorbei, doch ich bleibe lieber bei PHP. Und da ist der Markt irgendwie sehr unübersichtlich:

Natürlich zählen Subversion, CVS, vi, Apache und MySQL ganz gut zur Entwicklungsumgebung, aber ich will hier eher auf das Programm eingehen, das man am häufigsten braucht: Den Code-Editor.

Um PHP zu entwickeln kann man natürlich auf die - meist rudimentären - Möglichkeiten des ein oder anderen HTML-Editors zurückgreifen. Nur ist für mich ein HTML-Editor nicht mehr so aktuell, da ich HTML irgendwie fast im Schlaf beherrsche. Ich will nicht mehr unbedingt die Buttons für Überschriften usw. , oder gar einen WYSIWYG-Editor. Denn heutzutage braucht man für das Layout fast nur divs und den Content kann man ja dann wieder mit dem HTML-Editor oder im CMS basteln... wenn man will.

Dann gibt es natürlich auch diverse spezielle PHP-Editoren mit nettem Syntax-Highlighting und erweiterten Ersetzungs-Features. Diese sind teilweise mit Datei-Outlining, Projektverwaltung und ähnlichem Schickschnack voll gepackt, dass sie schon fast überladen wirken. Die Spitze des Eisbergs bildet hier wohl das hochwertige Programm UltraEdit, das auch gleich noch FTP-Client, SQL-Tools und viele weitere Features oben drauf setzt.

Jedoch sind diese PHP-Editoren kaum noch zu gebrauchen, wenn man etwas anderes als PHP, HTML usw. machen will. Hier kommt dann Kate ins Spiel. Der erweiterte KDE-Editor kann die Syntax von fast allen denkbaren Programmier- und Auszeichnungssprachen, farblich hervorheben. Darunter HTML, XML, PHP, SQL (sogar MySQL/PostgreSQL-spezifisch), Apache-Konfiguration, CSS, JavaScript, und ausgefallenes wie MediaWiki. Hinter Kate steckt also ein sehr allgemeiner Ansatz. Damit kommt einher, dass man leider auf direkte Implementierung für FTP-Client, Dokument-Outline oder anderes sehr PHP-spezifisches verzichten muss.

Doch das wird eigentlich recht schnell mit der Terminal-Funktion ausgehebelt. Über diese lassen sich dann letztendlich auch SVN oder CVS und eigentlich alle Kommandozeilenprogramme benutzten. Das Terminal cd"ed auch automatisch in den Ordner der gerade offenen Datei.

Das Terminal ist aber nur ein Beispiel, wie sich Kate perfekt in KDE bzw. „Linux“ integriert. Man kann auch Datei-übergreifend suchen und in einer Sidebar in Ordnern browsen. Achja, diese „Ordner“ beinhalten natürlich auch FTP, Webdav, Zip- und komprimierte Tar-Archive, sowie weitere Protokolle. Eben alle Protokolle, die z.B. Konqueror durch die KIO-Slaves auch kann. Dank SFTP kann man sogar auf Servern arbeiten, wo man nur ssh-Zugriff hat, das bedeutet nie wieder Putty- oder CLI-Herumirren.

Natürlich hat Kate auch sonst fast alle Funktion, die man sich so wünschen kann. In Tabs oder der Sidebar können mehrere Dokumente offen sein, an denen man parallel arbeiten kann und die alle gleichzeitig gespeichert werden können. Die offenen Dokumente werden dann in der Sitzung gespeichert. Auch Rechtschreibprüfung, auto-Vervollständigung, automatische Einrückung (mehrere Stile), und Ersetzen mit regulären Ausdrücken gehören zum Editor.

Besonders hilfreich ist auch immer die Integration mit Klipper. Klipper ist unter KDE ein Hilfsprogramm für die Zwischenablage. Es merkt sich automatisch den letzten markierten Text, der dann mit mittlerer Maustaste eingefügt werden kann. So ist sehr schnelles Copypaste möglich. Besonders nützlich kommt dann auch die History-Funktion von Kipper: Über eine Einfügen-Taste in der Symbolleiste kann man ein Menü öffnen und von dort aus den letzten markierten Texten wählen. Wenn man also im Internet oder in der Dokumentation recherchiert, markiert man einfach hin und wieder Funktionen oder Codesnippets die vielleicht nützlich sein könnten. Dann kann man sie später, dank Klipper, wieder aus dem Menü wählen und schnell in den eigenen Code einfügen. Das hilft enorm weiter, wenn man viel mit APIs arbeitet, oder mit altem Code, oder die Dokumentation braucht, oder, oder, oder... eigentlich immer.

In Kate habe ich irgendwie meinen perfekten Editor gefunden. Nicht so überladen, allgemein brauchbar. Nur manchmal fehlt eben noch ein bisschen das Eclipse-Feeling:

Als kleiner Ausblick: Ich habe eigentlich noch keinen PHP-Editor gefunden, der Ordentlich auto-Vervollständigen betreibt. Von Eclipse kennt man das ja, dass man fast immer das Vorgeschlagen bekommt, was man eigentlich wollte. Nut mit PHP hat das noch keiner so recht hin bekommen. Die Sichtweite ist irgendwie immer falsch, includes und autoload fast unerreichbar. Die Anzeige der Dakumentation in der Vervollständigung bei Eclipse habe ich auch immer sehr geschätzt. Wie auch immer, man muss immer seine Klassen und Funktionsaufrufe im Kopf haben, was bei großen Projekten mit vielen Includes sehr schnell zum Problem werden kann. Auch das „refractoring“, hier das Projektübergreifende Umbenennen von Variablen, Funktionen etc. kommt manchmal sehr praktisch zur Hand - in Eclipse. Bei Eclipse kann man auch mit klick auf die Variablen/Klassen zu ihrer Deklaration kommen, was sehr viel herum Suchen erspart. Für PHP gibt es derartige „globale Tools“ irgendwie noch kaum. Naja, man kann ja Erweiterungen für Kate schreiben, außerdem ist es OSS.

PS: Wenn ich die Funktion für Bilder im CMS habe, füge ich auch noch ein paar Screenshots ein...

Edit: Die Bilderfunktion ist jetzt da!

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Kommentare

Wolfgang meint: (#260)
01.04.2012, 20:06

Hi, du hast in deinem Kate so eine nette Dokumentstruktur - woher bekommt man diese? Habe verzweifelt gesucht aber leider...
wäre toll wenn du mir sagen könntest wie du das angestellt hast.

Bernhard H. meint: (#261)
09.04.2012, 01:24

Hi Wolfgang, ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, was du mit Dokumentstruktur meinst, "Code Folding" ist bei mir standardmäßig aktiviert, sieht in KDE4 jetzt allerdings ganz anders aus. Für einige Sachen muss man Erweiterungen aktivieren.

Wenn du die Dokumentstruktur in Quanta meinst: Ich habe das Programm circa seit der Erstellung dieses Eintrags vor knapp 4 Jahren nicht mehr benutzt. Und ich glaube nicht, dass sich diese (leicht) in Kate einbinden lässt.

Wolfgang meint: (#262)
15.04.2012, 20:39

Hmm, danke für die Antwort - ich meine die Dokumentstruktur wie in Quanta.
Werd dann zum Schreiben dafür wohl von Kate weg müssen...






 
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