Bernhard Häussner

Smart Fortwo Electric Drive: Erster Eindruck und Testfahrt

23.06.2014, 10:19
E-Smart testen

E-Smart testen

Ich habe mich spontan entschieden, einmal ein Elektroauto Probe zu fahren. Da das Öl langsam zur Neige geht, aber Sonne und Wind weiter scheinen und wehen, werden Elektroautos sich wohl immer weiter durchsetzen. Am 20. Juni 2014 war es nun soweit: Ich bin zum ersten Mal ein Kfz mit Elektromotor und Akku gefahren.

Die Entscheidung fiel recht spontan: Smart hatte am Würzburger Marktplatz im Rahmen des smart Probefahrtevents 2014 einen Stand aufgebaut, und in der Marktgarage standen ein paar der Autochen für Probefahrten bereit: 20 Minuten pro Person, einfach nur Ausweis und Führerschein vorzeigen, auf dem iPad unterschrieben und es kann los gehen.

Das Einsteigen ähnelt Körper-Origami, aber wenn man erst einmal sitzt, fühlt man sich wie in einem geräumigen Auto. Dass hinter mir keine weiteren Sitze und 220 l Kofferraum, ist mir erst beim Aussteigen richtig bewusst geworden.

Trotz der unkonventionellen Antriebsart, kommt man sofort zurecht, wenn man einmal mit Automatik-Getriebe gefahren ist. Das einzige, was mir der Smart-Mitarbeiter erklären musste, war: Die Tankanzeige in Litern wird durch eine prozentuale Akku-Anzeige ersetzt und der Drehzahlmesser durch eine Leistungs-Uhr. Sie zeigt auch an, wenn der Akku durch Rollen geladen wird.

Das rückwärts Ausparken waren dann meine ersten Meter im Elektroauto. Wobei ich hier noch etwas davon abgelenkt war, dass die B-Säule so dick ist, dass ganze Personen aus dem Blickfeld verschwinden können. Was allerdings absolut ungewohnt war: Beim Anfahren macht das Auto nicht das geringste Geräusch, man rollt einfach langsam los. Man könnte meine, man schwebt los.

Bei den ersten Fahrmanövern im Parkhaus hatte ich überhaupt keine Probleme mit der Steuerung. Im Gegensatz zu Tesla und BMW i3 gibt es beim Smart etwas wie Standgas, man fährt also, wie beim klassischen Automatik, bereits langsam an, wenn man von der Bremse geht.

Endlich am Tageslicht konnte ich das E-Mobil zunächst im Stadtverkehr testen. Tritt man das Gaspedal auf den Boden, summt der Elektromotor los, erst etwas tiefer, dann immer höher. In wenigen Sekunden ist man bei 50 km/h, begleitet von einem dezenten und futuristischen Motorgeräusch. Das laute Aufheulen des Motors und mühsames Einkuppeln und Schalten entfällt. Und wenn der Strom aus regenerativen Energien kommt, hat man auch kein schlechtes Gewissen, wenn man etwas sportlicher fährt.

»Jede Menge Fahrspaß – aber kein Gramm CO2 während der Fahrt«
Aus der Info-Broschüre zum smart fortwo electric drive

Trotz der schnellen Beschleunigung kommt aber eher Carrera-Bahn-Fahrspaß auf: Die hohe Bauform macht das Kurven-Fahren unangenehm und es fehlt einfach das Rattern und Knattern des Benziners. Hier machen die kleinen Schwächen und Unbequemlichkeiten des Ottos den Charme gegenüber dem steril-monotonen Elektro aus – es gibt z.B. keinen Auspuff. Ich muss den Tacho im Auge behalten, damit ich nicht zu schnell fahre, denn das Gehör bietet hier kaum einen Anhaltspunkt. Die Akustik eines Wagens macht doch viel aus. Später auf der Überlandfahrt tritt eine weitere Spaßbremse zu Tage: Bei 125 km/h ist Schluss und mangels Fahrgeräuschen sind hohe Geschwindigkeiten ungefähr so aufregend, wie im ICE zu sitzen. Das Fahrgefühl dümpelt irgendwo zwischen Kart und Straßenbahn.

Aber es geht ja nicht primär um Fahrspaß. Es ist eben doch ein geschlossener, fahrbarer Untersatz. Im Gegensatz zum Fahrrad wird man nicht nass und verschwitzt, kann Radio hören und die Heizung aufdrehen. Gerade bei schlechtem Wetter oder mittleren Entfernungen zwischen 20-50 km deutlich angenehmer als das Fahrrad. Wegen der kleinen Reichweite von bis zu 145 km taugt der Smart aber nicht als Reisemobil und damit für viele wohl maximal als Zweitwagen. Und Kleinststrecken in der Stadt werden wegen der lästigen Parkplatz-Suche oft uninteressant. Das Revier des Smart ist also die Großstadt.

Jeder Testfahrer erhielt das nötige Infomaterial – inklusive Preisliste.

Jeder Testfahrer erhielt das nötige Infomaterial – inklusive Preisliste.

Am liebsten hätte ich den Kleinwagen überhaupt nicht zurück gegeben. Vom Kauf halten mich persönlich aber zwei Punkte ab: Zum einen der Preis. Mit 18910€ Neupreis und weiteren monatlichen 65€ Akkumiete (inkl. Batterie kaufen: 19899,16€) ist das Elektroauto etwa doppelt so teuer, wie ein Benziner. Da ich nur sehr selten überhaupt Auto fahre, übersteigt allein die Akkumiete meine üblichen monatlichen Tankkosten deutlich. Hätte ich kein Auto, wäre Taxi fahren mitunter wirtschaftlicher. Der Preis für die Akkuladung mit 15 kWh ist im Vergleich zum Benzin aber wirklich zu vernachlässigen. bei häufiger Benutzung, also einer Fahrleistung von mehr als rund einhunderttausend Kilometern1), amortisiert sich dadurch der höhere Kaufpreis.

Zum anderen hält mich die Größe vom Kauf ab, der Smart hat nur zwei Sitze. Wenn ich überhaupt ins Auto steige, dann meistens, weil ich noch mit anderen Personen zusammen fahre, oder größeres Transportieren muss. Beides ist im Smart nicht möglich.

Die Fahrt hat mir großen Spaß gemacht, und mir sämtliche Bedenken zu Elektroautos genommen. Der Smart Fortwo Electric Drive ist für mich trotzdem eher so etwas wie ein sehr teures Schlechtwetter-Fahrrad.

Die Zugehörige Rechnung ist: (Kaufpreis E-Mobil [€] - Kaufpreis Benziner [€]) / (Benzinverbrauch [l/100km] * Benzinpreis [€/l] / 100 - Strom Akkuladung [kWh] * Preis Kilowattsunde [€/kWh] / Reichweite [km]) = (19899,16-13095)/(5,2*1,60/100-15*0,20/130) = 113170 Kilometer, bis sich das Elektroauto durch gesparte Benzinkosten rentiert. In der Praxis kommen natürlich noch andere Faktoren hinzu.

Tags:
Kurze URL http://1-co.de/b/22. Post to twitter

Kommentare

keine





 
Χρόνογραφ
© 2008-2017 by Bernhard Häussner - Impressum - Login
Kurz-Link zu dieser Seite: http://1-co.de/b/22