Bernhard Häussner

Die eigenen Augen kennen lernen: Drei optische Tricks

06.05.2020, 20:20

Eigentlich würde man vermuten, die eigenen Augen recht gut zu kennen. Doch diese drei Tricks zeigten mir, dass unser Sehsinn voller Überraschungen steckt. Mit nur einfachsten Mitteln kann man Situationen hervorrufen, die zum Nachdenken über die visuelle Wahrnehmung anregen.

Das fliegende Würstchen

Beginnen wir mit etwas einfachem. Stecke beide Arme aus und deute mit den Zeigefingern jeweils auf die gegenüberliegende Hand. Lasse zwischen den beiden Zeigefingern ca. ½ cm Platz. Nun sieh zu einem Punkt in der Ferne genau über den Fingern. Statt den Fingern fliegt nun ein kleines Würstchen vor dir in der Luft.

Wie funktioniert das? Wenn man mit den Augen auf einen nahen Punkt sieht, stehen sie nicht ganz parallel, sondern etwas nach innen, sodass sie beide auf diesen Punkt gerichtet sind. Der Rest des Sichtfelds wird dann doppelt und überlagert wahrgenommen. Dieser Effekt lässt sich auch beim Schielen beobachten. Blickt man nun in die Ferne, richten sich die Augen parallel aus, und Nahe Objekte erscheinen überlagert. Die überlagerten Finger ergeben die Form einer Wurst.

Das 3D-Sehen ohne Brille

Stereoscopic Icosahedron Animation

Ein etwas anspruchsvollerer Trick ist das dreidimensionale Sehen von eigentlich zweidimensionalen Objekten mit dem Kreuzblick. Öffne dazu ein stereoskopisches Bild, wie die abstrakte Abbildung oben und skaliere sie so, dass sie etwa so breit ist, wie der Abstand zwischen den Augen. Am besten funktioniert ein Smartphone, hier ist die Pixeldichte groß genug und das Bild hat etwa die richtige Größe. Dann muss wieder in die Ferne geblickt werden. Es erfordert nun etwas Konzentration, die beiden Bilder zur Deckung zu bringen und sie scharf zu sehen. Am Besten behält man einen markanten Punkt in beiden Bildern im Auge und versucht sie zusammen zu bringen.

Beim richtigen Blickwinkel ergibt sich eine dreidimensionale Wirkung. Man schafft es, die beiden Bilder so wahrzunehmen, als wären sie eines und ein räumliches Objekt. Für das Rendering habe ich Sebastian Schneiders Plugin für Blender verwendet.

Die verschwindende Münze

Ein sehr überraschender Trick ist die verschwindende Münze. Halte eine kleine Münze mit ausgestrecktem Arm vor dich. Schließe ein Auge und bewege die Münze nach außen. Die Münze sollte dabei genau auf Augenhöhe bleiben. Blicke dabei stur geradeaus auf den Punkt an dem die Münze anfangs war. Nicht der Münze nachblicken! An einer bestimmten Stelle verschwindet die Münze plötzlich.

Dies liegt daran, dass unsere Augen jeweils einen blinden Fleck haben. Dort ist die Netzhaut unterbrochen, weil die Sehnerven zusammen laufen, und man kann nichts sehen. Damit man nicht ständig ein schwarzes Loch im Blick hat, wird der Blinde Fleck nahezu perfekt ergänzt, ohne dass wir es merken. Kleine Details, wie eine Münze, können jedoch verloren gehen.

Bonus-Trick für Brillenträger: Das scharfe Auge

Ein weiterer Trick funktioniert nur für Brillenträger. Setze die Brille ab und bilde mit den Fingern ein sehr kleines Löchlein. Halte nun die Hand knapp vor das Auge und blicke durch das Loch. Die Umgebung wird durch das Loch deutlich schärfer aussehen.

Das Prinzip hinter diesem Trick wird auch bei einer Lochkamera verwendet: Statt durch eine große Linse fällt das Licht nur durch ein kleines Loch. Daher muss nicht scharf gestellt werden, die Unschärfe der Linse im Auge wird korrigiert. Der Nachteil ist, dass durch das Loch nicht so viel Licht dringt, wie durch die Lines, sodass das Bild dunkler wird.

Diese drei optischen Kniffe sind werden wohl manchen schon bekannt sein, aber ich finde, sie regen immer wieder zum ausprobieren und nachdenken an.

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