Bernhard Häussner

Vergleich von Präsentations-Programmen für Vorträge

04.05.2015, 16:10
Für viele Vorträge ist Anschauungsmaterial unerlässlich

Für viele Vorträge ist Anschauungsmaterial unerlässlich

Fast immer wird gewünscht, eine Präsentation mit informativen Folien zu erstellen, wenn man einen Vortrag hält. Es gibt viele Meinungen, wie diese Folien genau auszusehen haben (schlicht, wenige Wörter, Stichpunkte...) und hier wird jeder mit der Zeit seinen eigenen Stil entwickeln, das wäre Stoff für viele weitere Blogeinträge. Jetzt soll es nur um die Programme gehen, welche zum erstellen der Präsentation und zum Gestalten der Folien verwendet werden. Dabei werde ich zu jedem die Stärken und Schwächen, die ich bei der Benutzung festgestellt habe, aufzählen.

Die folgenden Methoden und Programme werden im Folgenden verglichen:

  • Microsoft Powerpoint
  • LibreOffice Impress
  • LaTeX beamer-Klasse
  • Apple Keynote
  • Webseiten als Präsentation
  • Tageslichtprojektor-Folien

Microsoft Powerpoint

Microsoft Powerpoint ist das Präsentations-Werkzeug aus der Office-Suite von Microsoft.

Nachteile:

  • Microsoft Office kostet Geld, ja nach Lizenz etc. rund 100€ im Jahr. Powerpoint ist auch in den günstigsten Paketen enthalten.
  • Obwohl viele Programme eigentlich Powerpoint-Dateien importieren können, sind mit neueren Office-Versionen erstellte Präsentationen damit oft nicht richtig benutzbar.

Vorteile:

  • Gute Integration mit anderen Microsoft-Office-Produkten, es lassen sich beispielsweise Excel-Tabellen einfügen.
  • Die Präsentationen lassen sich in vielen Programmen importieren und mit dem kostenlosen Powerpoint-Viewer abspielen.
  • Der Funktionsumfang ist hoch, insbesondere ist Office auf vielen Geräten, wie Tablets, verfügbar, es gibt eine Clound-Integration zum Zusammenarbeiten und es lassen sich anschauliche Diagramme (Smart-Art-Grafiken) schnell erstellen.
  • Office ist in vielen Firmen der Standard für die Erstellung von Dokumenten und z.B. für viele Studenten kostenlos erhältlich.

Fazit: Powerpoint kann sich durch seine Platzhirsch-Postion behaupten und bietet einen sehr großen Funktionsumfang. Es ist jedoch vergleichsweise teuer und nicht open-source. Für normale Präsentationen ist es ein schnelles und brauchbares Tool.

LibreOffice Impress

Impress ist das Präsentations-Tool der open-source Office-Suite LibreOffice.

Nachteile:

  • Die mitgelieferten Vorlagen sind nicht so hübsch.
  • Es ist in kleinen Details nicht so schön zu bedienen.
  • Es ist vergleichsweise langsam.

Vorteile:

  • Kostenlos, open-source.
  • Im Gegensatz zu Powerpoint auf Linux verfügbar.
  • Arbeiten im Powerpoint-Format möglich.

Fazit: Impress taugt, um Präsentationen zu erstellen. Es ist jedoch nicht ganz so aufpoliert wie andere Tools. Durch die Kompatibilität mit Powerpoint kann es zur Not parallel zu Microsoft Office eingesetzt werden. Es ist im Bereich open-source das Standardtool.

LaTeX beamer-Klasse

»Für alle, die die Schönheit von Wissenschaft anderen zeigen wollen.«
User-Guide der beamer-Klasse

Die beamer-Klasse ist die beste Methode, Präsentationen mit LaTeX zu erstellen. Wie bei LaTeX-Drucksachen werden die Präsentationen in einer Markup-Sprache verfasst und dann als PDF ausgegeben.

Nachteile:

  • Wer LaTeX nicht kann/mag, wird sich mit der beamer-Klasse schwer tun.
  • Aufwändige Effekte und Multimedia-Einbettungen sind nicht mit allen PDF-Readern kompatibel.

Vorteile:

  • Kostenlos, open-source.
  • Sehr plattformübergreifend, da basierend auf LaTeX, die erstellten PDFs lassen sich fast überall abspielen.
  • Da LaTeX in vielen Bereichen der Standard für wissenschaftliche Publikationen ist, können LaTeX-Abschnitte direkt daraus übernommen und in die Folien integriert werden.
  • Gute Unterstützung von Inhaltsverzeichnissen und Folien-Navigation.
  • Zusammenarbeit über GitHub o.ä. sehr gut möglich, da textbasiertes Dateiformat.

Fazit: Mit der LaTeX beamer-Klasse werden alle Vorteile von LaTeX auf das Erstellen von Präsentationen übertragen, bei bei Präsentationen zu wissenschaftlichen Arbeiten ergeben sich hohe Synergie-Effekte. Wer ohnehin an wissenschaftlichen Dokumenten arbeitet, sollte die Präsentation auch gleich in LaTeX erstellen. Für alltags-Präsentationen ist die beamer-Klasse aber durchaus auch einsetzbar, hier ist es aber manchmal schneller mit einem WYSIWYG-Programm zu arbeiten.

Apple Keynote

Apple Keynote ist das Präsentations-Werkzeug, welches für Apple's Betriebsystem OS X gemacht wurde.

Nachteile:

  • Kostet rund 20€.
  • Läuft nur auf OS X und iOS.

Vorteile:

  • Arbeiten im Powerpoint-Format möglich.
  • Hübsche Präsentationen mit kindischen Effekten lassen sich sehr leicht erstellen.

Fazit: Keynote kommt mit einem sehr aufgeräumten Interface. Wer ohnehin nur mit Macs arbeitet und die tollsten Effekte will, ist mit Keynote gut bedient. In solchen unorthodoxen Kreisen ist Keynote aber auch schon fast wieder uncool und es gibt bei Details nicht so viele Einstellungsmöglichkeiten, wie bei Impress und Powerpoint. Da es etwas preisgünstiger als Powerpoint ist, kann es für kleine Präsentationsprojekte als günstigere Alternative dienen.

Webseiten als Präsentation

Präsentationen können auch als HTML-Seiten erstellt werden. Dank neuer Webtechnologien kann ein Webbrowser Präsentationen abspielen, die speziell angefertigte HTML-Webseiten sind, statt einem anderen Dateiformat. Es gibt einige Tools, wie reveal.js und impress.js, die Grundfunktionen hierfür bieten, wie etwa Folienübergänge.

Nachteile:

  • Kenntnisse über Web-Entwicklung hilfreich bis erforderlich.
  • Erstellen der Präsentation ist mitunter sehr mühsam.

Vorteile:

  • Kann überall abgespielt werden, es muss nur ein Web-Browser installiert sein.
  • Hohe Flexibilität beim erstellen eigener Effekte.
  • Es können Javascript-Programme live vorgeführt werden.
  • Präsentationen können wie Webseiten z.B. aus Datenbanken generiert werden.
  • Präsentationen können außerhalb des Vortrags im Internet wie eine Webseite verwendet werden.

Fazit: Wenn ohnehin viele Daten aus dem Web kommen oder zu dem Thema eine Webseite erstellt werden muss, kann hier vieles wiederverwendet werden. Im HTML-Code können einfacher eigene Formatierungen angegeben werden, als bei LaTeX, wenn man sich gut mit CSS auskennt. Allerdings wird hier das Erstellen von Präsentationen schnell zur mühsamen Programmierarbeit, wie man es vom Erstellen von Webseiten kennt. Webseiten-Präsentationen sind bestens geeignet, wenn man sie mit einer zusätzlichen Software erstellt, die den Schaffensprozess vereinfacht.

Tageslichtprojektor-Folien

Diese Tageslichtprojektoren an der Universität Würzburg bleiben weitestgehend ungenutzt.

Diese Tageslichtprojektoren an der Universität Würzburg bleiben weitestgehend ungenutzt.

Overheadprojektor-Folien sind die analoge Entsprechung der heutigen Präsentationen. Auf durchsichtige DIN-A4-Seiten wird Text gedruckt oder mit speziellen Folienstiften handschriftlich geschrieben. Indem man Folien passgenau übereinander legt, lassen sich Effekte erzielen.

Nachteile:

  • Mitunter teuer, Folien müssen gedruckt werden.
  • Die eigene Handschrift sollte gut lesbar sein.
  • Wirkt sehr altmodisch, kaum Effekte möglich.
  • Ein Tageslichtprojektor ist nicht überall verfügbar.
  • Digitalisierung handschriftlich erstellter Folien ist sehr mühsam.

Vorteile:

  • Die Folien sind garantiert mit jedem Tageslichtprojektor kompatibel.
  • Es ist leicht möglich, während des Vortrags die Folien zu annotieren oder gar interaktiv zu erstellen.
  • Einfache Zeichnungen und Diagramme lassen sich schnell erstellen.

Fazit: Tageslichtprojektor-Folien bieten zwar eine hohe Flexibilität während des Vortrags, die Technologie wurde inzwischen aber größtenteils von den besseren digitalen Alternativen abgelöst. Insbesondere der große Aufwand zum drucken bzw. schreiben der Folien verbannt die klassischen Folien in die Vergangenheit.

Zuammenfassung

Welches Präsentationswerkzeug nun zu wählen ist, hängt ganz von der individuellen Situation ab. Wer im Business mit Office unterwegs ist, und ausgefeilte Diagramme braucht, sollte zu Powerpoint greifen. Wer nur mal kurz ein paar Stichpunkte und Bilder auf die Leinwand werfen will, kann sich mit LibreOffice oder Keynote (für Mac) begnügen. Für (Natur-)Wissenschaftler empfehle ich LaTeX mit der beamer-Klasse. Die beste Integration mit dem Web und Drittsoftware lässt sich mit Webseiten als Präsentation erreichen. Klassische Tageslichtprojektor-Folien sind nicht mehr zeitgemäß.

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