Bernhard Häussner

Komisches Wort!

20.11.2010, 11:06

Meine kleine Sammlung komischer, interessanter oder mehrdeutiger Wörter fällt wohl auf, wenn man meine Tiwtter-Updates durchliest. Ich habe über die Zeit einige Wörter herausgegriffen, bei deren Anblick ich zunächst stutzte. Da bei einigen die Bedeutung oder die Besonderheit nicht offensichtlich ist, wird mein Interesse hier erklärt.

Phantasmagorie 21. September 2009

(Mein tweet, Wikipedia)

Wie bei fast allen Wörtern dieser Serie gibt der Wikipedia-Artikel nicht viel her, außer der Bedeutung in der Medizin (zufällige Folge von assoziativen Bildern) und der Kunst (Darstellung von Trugbildern). Beides hängt zusammen: (Fieber-)Träume und deren Wiedergabe. Eigentlich vereint dieses Wort: den Traum gelebt, die Idee mit dem resultierenden Werk, Plan und Realität bis zur Hyperrealität. Es lässt uns an die ganze fülle von Trugbildern, optischen Täuschungen, Déjà-vus etc. denken, alles äußerst zwielichtige und erforschenswerte Erscheinungen.

Extrapoliert 22. September 2009

(Mein tweet, Wikipedia)

Zwei Morpheme stecken in diesem Wort, und daher kam mein Interesse. Will man mit Daten Vorhersagen treffen, muss man die Daten extrapolieren. Will man eine angenehme Vorhersage treffen muss man die Daten extra polieren. Dass sich dieser Wortwitz aufdrängt reichte aus, um es in meine Liste aufzunehmen, aber es steckt natürlich auch ein bisschen mathematisches dahinter...

Agglomeration 24. September 2009

(Mein tweet, Wikipedia)

Diesmal ist der Wiki-Artikel etwas länger, das bedeutet jedoch nicht, dass der Begriff klar definiert ist. Jedenfalls finde ich die Strukturen solcher Städte mit Vor- und Nachbarorten sehr interessant. Eigentlich sollte sich jeder Pendler im Stau Gedanken machen, wie sich daraus entstehende logistische Probleme lösen lassen, es gibt dazu auch sehr viele Modelle und Thesen und letztendlich beschäftige ich mich auch gerne mit Verkehrsflüssen und -anbindungen, Flächennutzung usw. in meiner eigenen Stadt. Außerdem lässt sich der Begriff natürlich geschickt auf andere Kontexte übertragen.

Schmiegparabel 24. September 2009

(Mein tweet, Wikipedia?)

Hier gibt es keinen Wiki-Artikel, aber das Wort fiel, als man im Mathe-Unterricht versucht hat an z.B. eine Sinuskurve eine Parabel so zu basteln, sodass 1. und 2. Ableitung am Schnittpunkt übereinstimmen, also quasi eine bessere Tangente. So:

f(a)+f'(a)(x-a)+f"(a)(x-a)²/2

Und es ist mal wieder ein Beispiel von Mathematischen Begriffen, die man vielleicht besser gräzisiert hätte. Außerdem gibt es natürlich eine nette Zweideutigkeit, wenn man an „Die Stachelschweine“ denkt...

Karmadharaya 28. September 2009

(Mein tweet, Wikipedia)

Das Wort ist natürlich irgendetwas zwischen Zungenbrecher und Kakophonie. Die Definition „endozentrisches Determinativkompositum“ wird fast nur übertroffen von der „periphrastischen Dissimulationsironie“ (für Lithotes). Es ist auf jeden Fall eine der tpyischen Wissen-das-die-Welt-nicht-braucht, wenn man bei einem Glas Wein zusammensitzt und man erklärt, dass Rotwein ein Karmadharaya ist, weil das Schlussglied durch das Vorderglied näher bestimmt wird, wobei im Gegensatz zum Tatpurusha keine Kasusbeziehung zwischen den beiden Bestandteilen besteht. Das habe ich jetzt mal frei aus Wikipedia zitiert, weil so ganz sicher fühle ich mich in der Definition auch nicht. Ich spreche zwar nicht Sanskrit, aber wenn ich das richtig sehe ist das Wort selbstreferentiell, da Karmadharaya (also कर्मधारय) selbst ein Karmadharaya ist.

Embryosackmutterzelle 14. Dezember 2009

(Mein tweet, Wikipedia)

Ein Wort, welches aus einem schlechten Alienfilm stammen könnte, aber anscheinend eine besondere Zelle bei Pflanzen ist. Für das Wort habe ich keine klare Definition gefunden und ich bin kein Biologe, daher steht hier nicht so viel.

Phallokratie 30. Januar 2010

(Mein tweet, Wikipedia)

Man könnte sagen, das Niveau sinkt, jetzt geht es schon um Penisse. Aber der Duden erklärt das so: „auf einer Überbewertung des männlichen Geschlechts beruhende Vorherrschaft des Mannes bes. ... “ (Und dann endet die kostenlose Artikelvorschau auch schon). Interessanterweise behinhaltet das Wort ein moralisch äußerst bedenkliches Pars-pro-toto, das von etwas überheblichen Feminismus Seitens der Schöpferin zeugen könnte. Und wenn man das Wort nicht auf eine Staatsform bezieht, sondern eher neurobiologisch betrachtet wäre man auch schon bei der Zweideutigkeit.

Citoyen 22. Oktober 2010

(Mein tweet, Wikipedia)

Ein heutzuage irgendwo idealistischer Begriff für einen Bürger, der sich gerne bildet und in vernünftigen Maße altruistisch ist. Allerdings kann es auch sehr interessant verwendet werden, als Wort für jemanden, der nicht nur arbeitet & konsumiert, sondern selbst bei der Konzeption mithilft. Im übertragenen Sinne würde ein Fernsehcitoyen nicht nur fernsehen, sondern auch Einfluss auf die Gestaltung der Sendungen nehmen. Eigentlich ein unterschätztes Fremdwort.

Erwartungserwartungserwartung 12. Juni 2011

(Mein tweet, Wikipedia)

Endlich ein rekursives Wort. Was eine Erwartung ist, bedarf es hier nicht zu erklären. Was eine Erwartungserwartung ist, erklärt Wikipedia und Benno Biermann: Annahmen über die Erwartungen der anderen an mich. Dies kann man jetzt Reflexiv beliebig fortführen. Wie weit treibt man das im Alltag? Davon hängt dann wohl auch ab, ob man taktlos oder gerissen ist.

Prohodietinating 19. Juli 2012

(Mein tweet, Wikipedia?)

Ein jeder hat sich wohl schon des Aufschiebens schuldig gemacht. Für diese Tätigkeit, bzw. Nicht-Tätigkeit, gibt es das englisch-lateinische Wort „procrastinating“, also fürmorgenen. Will man aber etwas noch heute erledigen, muss man es prohodietinieren.

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